Wie genau sieht eine Ermittlung (Screening) und Sanierung aus?

Wie genau sieht eine Ermittlung (Screening) und Sanierung aus?

Wie genau sieht eine Ermittlung (Screening) und Sanierung aus?

Um MRSA zu ermitteln, werden Abstriche genommen. Die Abstrichorte orientieren sich an klassischen Kolonisationsorten: Nasenvorhöfe, Rachen, sowie ggf. von einer Wunde oder einem Zugang. Der Abstrich wird mittels eines Stieltupfers genommen und ist absolut schmerzfrei für den Patienten / Bewohner.
Diese Form der Ermittlung kann z.B. hinweislich sein:

  • zur Erfolgskontrolle einer Sanierung
  • bei bekannter MRSA-Anamnese (vor geplantem Krankenhausaufenthalt, vor Erstaufnahme in eine ambulante Dialysestätte)
  • bei Patienten / Bewohnern, die in den letzten 12 Monaten eine längere Zeit im Krankenhaus verbracht haben
  • Patienten / Bewohner die mind. zwei der im RKI genannten Risikofaktoren erfüllen (z.B. chronische Pflegebedürftigkeit, Antibiotikatherapie in den letzten 6 Monaten, Dialysepflichtigkeit, liegende Katheter…)
Ein Screening / die Entnahme von Abstrichen zur Ermittlung von MRSA wird vom zuständigen Arzt entschieden und veranlasst.
Der Begriff Sanierung bedeutet eine Eradikation (Keimeliminierung) von MRSA mit Hilfe lokal anzuwendender antibiotischer und/ oder desinfizierender Substanzen. Leider ist nicht jeder Patient / Bewohner sanierungsfähig. Dies ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig.
Sanierungsmittel können sein:
  • Lokale Antibiotika (Mupirocin – Markenname „Turixin®“ - ;Bacitracin – Markenname z.B. Cicatrex ®)
  • Haut- und Schleimhautverträgliche Antiseptika (z.B. PVP-Jod, Octenisept, Sanalind)
Der Arzt legt anzuwendende Mittel und Durchführungsmodalitäten fest. Das Prozedere wird schriftlich festgelegt und die Durchführung gewissenhaft dokumentiert. Sinnvoll ist, während der Sanierungsphase Einweg- Pflegeutensilien (z.B. Einweg- Zahnbürste, Einweg- Kamm etc.) zu nutzen. Auf Kosmetikprodukte wie z.B. Lippenstift oder Gesichtscremes sollte in dieser Zeit verzichtet werden.
Eine klassische Durchführung einer Sanierung umfasst 5 Tage Anwendung, 2 Tage Pause und 3 Tage Kontrolle. Ein Patient / Bewohner gilt als MRSA- frei, wenn die Kontrollabstriche von 3 Tagen negativ waren. Kontrollen sind nach 1 Woche, 3 und 12 Monaten sinnvoll und notwendig.

MRGN/ ESBL

Der Begriff MRGN steht für: multiresistente gramnegative Erreger. Bei gramnegativen Erregern handelt es sich um Stäbchenbakterien. Sie färben sich unter dem Mikroskop rot, während grampositive Erreger sich unter dem Mikroskop blau färben. Dadurch ist eine schnelle Einordnung möglich. Zu den gramnegativen Stäbchenbakterien zählen z.B. : Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae, Pseudomonas aeruginosa oder Acinetobacter baumannii. Einige dieser Erreger kommen in unserem menschlichem Darm, andere in unserer Umwelt vor.
Gramnegative Erreger können die Fähigkeit besitzen, das Enzym ESBL (Extended Spectrum β-Lactamase) zu produzieren. Dieses Enzym hat eine Resistenzentwicklung gegenüber Antibiotika gefördert. ESBL ist somit kein spezieller Erreger, sondern ein Enzym, welches ß-Laktam- Antibiotika wirkungslos werden lässt. Insgesamt gibt es derzeit vier Antibiotikagruppen, die gegen diese Bakterienstämme wirken. Im Labor kann festgestellt werden, gegen wie viele der vier wirkungsvollen Antibiotika der zu untersuchende Erreger resistent ist. Ab einer nachgewiesenen Resistenz von drei der vier Gruppen sind besondere Maßnahmen zu ergreifen.

  • 3MRGN = es liegt eine Resistenz von drei der vier Antibiotikagruppen vor
  • 4MRGN = es liegt eine Resistenz gegen alle vier Antibiotikagruppen vor
Standard- Desinfektionsprodukte, sofern offiziell gelistet und mit Wirkungsspektrum bakterizid ausgelobt, sind ausreichend. Eine Umstellung auf spezielle Desinfektionspräparate ist nicht notwendig. Die Basishygienemaßnahmen sollten in öffentlichen Einrichtungen intensiviert werden – Art und Umfang sind neben vieler weiterer Faktoren auch abhängig von der Art der Einrichtung. In einem Krankenhaus gelten z.B. intensivere Hygienevorschriften als in einer Pflegeeinrichtung.
Die Unterbringung erfolgt bei 3MRGN im Einzelzimmer oder in Kohortenisolierung (nur gleiche Resistenztypen) mit eigenem WC bei Risikopatienten. Bei 4MRGN ist auf jeden Fall eine Unterbringung im Einzelzimmer od. in Kohorte (auch hier nur gleiche Resistenztypen) mit eigenem WC erforderlich! Abstrichproben werden je nach Erregertyp an entsprechender Stelle genommen. Es gilt dabei zu beachten, dass Abstrichproben frühestens 48 Stunden nach letzter Einnahme von Antibiotika genommen werden. Erfolgreiche, zuverlässige Sanierungsmaßnahmen sind leider noch nicht ausreichend bekannt.

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